Folgeprojekt: CareStu? Balancierung von Studium und Pflege

Update November 2023: Die quantitative Online-Befragung von Studierenden der Universität Göttingen ist abgeschlossen. Es gibt eine Rücklaufquote von mindestens 10% der aktuellen Studierenden der Universität Göttingen. Genauere Datenanalyse findet noch statt, aber folgendes kann festgehalten werden:

Von den Teilnehmenden geben 5 % an, Pflegeverantwortung für erwachsene Angehörige zu tragen. Für Kinder sorgen ebenfalls 5 % der Befragten. 1 % der Antwortenden hat gleichzeitig Care-Verantwortung für mindestens eine pflegebedürftige Person und Kind(er). Weitere 4 % hatten in der Vergangenheit eine entsprechende Care-Verantwortung.

Aktueller Stand: Aktuell werden qualitative Interviews mit Studierenden durchgeführt, die im Zuge der Online-Umfrage Interesse daran geäußert haben.

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Hintergrund

Das vorliegende Forschungsprojekt, das von der Georg-August-Universität zu Göttingen in Auftrag gegeben wurde, stellt ein Folgeprojekt dar. In Nachfolge des Projekts BaWiP, in dessen Rahmen die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Tätigkeit und Pflege-/Sorgeverantwortung für Kinder und/oder erwachsene Angehörige untersucht wurde, konzentriert sich die Nachfolgestudie auf die Belastungen und Bedürfnisse von Studierenden, die Pflege- oder Sorgeverantwortung für Angehörige übernehmen. Dies geschieht mittels quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden. Der Fokus liegt hierbei auf der Vereinbarkeit von Studium und Pflege-/Sorgeverantwortung, was bisher kaum untersucht wurde (vgl. Mindermann et al., 2021). Angehörige werden hierbei nicht im rechtlichen Sinne definiert, sondern umfassen alle Personen, gegenüber denen sich eine Verantwortlichkeit empfunden wird, wie zum Beispiel Kinder, Geschwister, Eltern, Großeltern oder Freunde. Die Dringlichkeit einer Bestandsaufnahme und Bedarfserhebung ist besonders durch die aktuelle Situation begründet, in der ca. 4,4 bis 5,4 Millionen Menschen in Deutschland Unterstützungsbedarf haben und sich die Anzahl von Pflege- und Sorgebedürftigen in Zukunft voraussichtlich weiter erhöhen wird. Es ist somit wahrscheinlich, dass immer mehr junge Erwachsene und Studierende während des Studiums Pflege- und Sorgeverantwortung übernehmen müssen. „Young carers“ und Pflege-/Sorgetragende aus der „Sandwich Generation“ werden in den kommenden Jahren verstärkt Studium und Pflege-/Sorgeverantwortung balancieren müssen. Der Bericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von deutschen Studierenden aus dem Jahr 2017 zeigt zudem, dass rund 5% aller Studienabbrüche auf eine Mehrfachbelastung durch die Pflege-/Sorgeverantwortung von Angehörigen zurückzuführen sind (Middendorf et al./BMBF, 2017). Neben prekären Arbeitsverhältnissen stehen insbesondere Hochschulen vor besonderen Herausforderungen bei der Unterstützung dieser Studierenden, die in diesem Projekt untersucht werden sollen. Es handelt sich um eine der ersten groß angelegten Studien zu diesem Thema.

Fragestellung und Ziel

Das von der Georg-August-Universität zu Göttingen in Auftrag gegebene Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Belastungen und Bedürfnisse von Studierenden mit Pflege-/Sorgeverantwortung für Angehörige (Kinder und/oder erwachsene Angehörige) zu untersuchen und die Auswirkungen auf deren Studium sowie deren individuelles körperliches und psychisches Wohlbefinden zu analysieren.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse sollen bedarfsorientierte Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Studium und Pflege-/Sorgeverantwortung entwickelt werden, um die Chancengleichheit von Studierenden mit Pflege-/Sorgeverantwortung zu fördern.

Methodik

Das Forschungsprojekt verwendet einen Mixed-Methods-Ansatz, der eine Kombination aus quantitativer und qualitativer Erhebung umfasst. Eine Online-Umfrage wird durchgeführt, um Studierende zu befragen, die Pflege-/Sorgeverantwortung für Angehörige übernehmen. Zusätzlich werden qualitative Interviews durchgeführt, um die Erfahrungen und Einschätzungen der Studierenden zu erfassen. Auch bereits vorhandenes Material der Georg-August-Universität Göttingen wird in Materialanalysen einbezogen. Die Studie folgt einem gendersensiblen und studienverlaufs- und lebenslauforientierten Vorgehen. In einer intersektionalen Analyse werden verschiedene Differenz-Kategorien berücksichtigt und zu unterschiedlichen Pflege-/Sorgesituationen, Belastungskonstellationen und subjektiver Zufriedenheit mit der Pflege-/Sorgesituation in Beziehung gesetzt.

Laufzeit

Das Projekt hat eine Mindestlaufzeit von 6 Monaten (04/23 – 10/23).

Literatur:

Mindermann, Nele/Schattschneider, Ralf/Busch, Susanne (2021). Studieren mit Pflegeverantwortung? In: Prävention und Gesundheitsförderung 16 (3), 225–233. https://doi.org/10.1007/s11553-020-00813-w.